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    Verdun – Schicksalstage einer Generation

    An einem Ort anzukommen, der über 800.000 Menschen in nur zehn Monaten das Leben kostete, ist keine leichte Angelegenheit. Nachdenkliche Stimmung begleitete mich durch nicht endend wollende Reihen von Kriegsgräbern. Stumme Mahnmale für die Bedeutung eines ergebnislosen Stellungskrieges im Leben einzelner Menschen.

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    Der Besuch solcher Orte ist für mich immer wieder ein Thema. Die Wucht der Mahnung, die von diesen Orten ausgeht, trifft oft unvermittelt hart auf das gewohnte Sicherheitsempfinden im Hier und Jetzt. Zu was Menschen fähig sind: Am Ausmaß der Vernichtung in Verdun, wird das spürbar.

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    Die Folgen dieser enormen Materialschlacht sorgen bis heute dafür, dass Teile der Wälder um Verdun nicht betreten werden können. Sie sind nicht sicher geräumt. Obwohl die Schlacht um Verdun am 20.12.1916 beendet war.

    Das Beinhaus von Douaumont thront über mehr als 16.100 Gräbern gefallener Soldaten.

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    Eine Dimension, die auch für mich neu war. Hinter jedem Namen, der dort vermerkt ist, stehen Eltern, Kinder, Partner, Freunde und Verwandte. Bedrückende Grundstimmung begleitete meinen Rundgang durch christliche und muslimische Gräberreihen. Im Inneren finden sich eingravierte Namen französischer Gefallener. Eine kleine Kapelle bietet die Möglichkeit, Kerzen anzuzünden und innezuhalten.

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    Wer an der Kriegstechnik von Verdun interessiert ist, besucht das Fort Douaumont. Die Anlage ist mit dem Auto in nur wenigen Minuten erreichbar.

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    Ein glücklicher Zufall machte es mir möglich, Teil einer geführten Tour luxemburgischer Touristen zu werden. Recht kurz nach Beginn der Tour bereute ich das allerdings bereits sehr.

    Unser Guide führte anhand aufprallender Metallplatten in einem der Gänge praktisch vor, wie laut die Einschläge einzelner Granaten im Fort wahrgenommen wurden. Realismus pur. Für mich sofort verständlich, warum einzelne Soldaten lieber draußen um ihr Leben kämpften, bevor sie im Fort Douaumont Schutz suchten. Zwischen 800 und 1600 Einschläge am Tag zu erleben, mit einer Lautstärke und Wucht, die wahnsinnige Angst schürt: Kein Schicksal, dass man den eigenen Kindern wünscht. Die schweren psychologischen Folgen des ersten Weltkrieges kann man im Fort Douaumont praktisch sehr gut nachempfinden.

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    Die Aufteilung der Anlage wurde durch wechselseitige Eroberungen durch deutsche Baukunst und Technik geprägt. Es finden sich Bürgersteige in den Gängen. Am Anfang des Krieges gab es weder elektrische Leitungen noch Belüftungssysteme. Erst im Kriegsverlauf nahmen deutsche Besatzer entsprechende Umbauten vor. Staubtrockene Luft – mit allen Gerüchen menschlicher Prägung – machten das Leben im Fort zur Hölle. Sanitäre Einrichtungen gab es. Spartanisch und zweckdienlich für tausende Menschen gemeinsam errichtet.

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    Ein luxemburgischer Besucher äußerte beim Betreten der Mannschaftsunterkünfte sofort: „Hier sieht es aus, wie in Auschwitz.“ Diese Aussage traf mich direkt. Tatsächlich gingen auch meine Gedanken in diesem Moment in diese Richtung. Ich kannte diese Art von Unterkunft – allerdings aus dem Konzentrationslager in Theresienstadt.

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    Eine weitere feine Parallele beunruhigte mich in Verdun, als mich die Worte des luxemburgischen Touristen an Auschwitz erinnerten. Die bedrückende Schönheit der rauschenden Birken und Blumen zwischen dem Stacheldraht, haben mir in Auschwitz schlaflose Nächte bereitet. Wie kann ein Ort, der soviel Leid bewirkte, rückwirkend so friedlich erscheinen?

    Im Fort Duaumont wiederholte sich diese Erfahrung für mich. Es liegt idyllisch. Weite Sicht. Mitten im Grünen. Grasbewachsen, als wäre es hier niemals um Leben oder Tod gegangen.

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    Bei der Schlacht um Verdun gelang es keiner Kriegspartei nennenswerte Gebietsgewinne zu erzielen. Bis heute ist es nicht ganz leicht, einen Sieger zu ermitteln.

    800.000 Menschen verloren ihr Leben durch ein monatelanges Ping-Pong-Spiel auf wenigen Metern Raum. Zwar zeigten die Alliierten selbst Widerstandskraft und bewirkten einen Rückzug Deutschlands. Trotzdem steht die Schlacht von Verdun als repräsentatives Ereignis für einen blutigen und sinnfreien Stellungskrieg im Rahmen des 1. Weltkriegs. Der entscheidende Kriegseinfluss blieb aus. Eine verlorene Generation war das Vermächtnis.

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